Cold Case Pfitscherjoch

Der Anschlag am Pfitscherjoch

Nebst der überaus spannenden Geschichte der Entminung der Landshuter-Hütte unter Berücksichtigung genereller Sicherheitsprinzipien in Zusammenhang mit Sprengstoffen und Zündmitteln

 

Im Mai 1966 explodierte ein Teil der Schutzhütte am Pfitscherjoch. Ein junger Armeeangehöriger, Bruno Bolognesi, kam dabei ums Leben. Die offizielle Version des Herganges lautete folgendermaßen:
Der Finanzer Bruno Bolognesi löste beim Betreten des Finanzerstützpunktes am Pfitscherjoch einen an der Eingangstür befestigten Zündmechanismus aus, der 50 kg Sprengstoff zur Detonation brachte. Bei der Detonation wurde der Stützpunkt zerstört und Bolognesi getötet. Südtirolaktivisten aus dem Ahrntal wurden und werden bis heute beschuldigt, diesen Anschlag verübt zu haben. Vor der Hütte an jener Stelle, an der Bruno Bolognesi sein Leben ausgehaucht hat steht heute ein Denkmal.
Eine genaue Untersuchung des Falles zeigt allerdings, dass sich die Geschichte nicht so abgespielt haben kann wie offiziell dargestellt. Der Historiker des österr. Bundesheeres, Dr. Hubert Speckner, fand bei seinen Recherchen Fotos und eine Lageskizze, nach denen sich der Fall völlig anders darstellt. Ein Lokalaugenschein und eine Befragung von Zeitzeugen ergaben folgendes Bild:
Die Pfitscherjochhütte wurde in den 1960ern nur zum Teil als Finanzerstützpunkt verwendet. Und zwar betraf das in erster Linie den gemauerten Teil der Hütte. Der aus Holz bestehende Teil wurde weiterhin als Gaststätte verwendet. Der Eingang befand sich zwischen den beiden Gebäudeteilen.
Nun hat sich die angebliche Detonation aber nicht im Finanzerstützpunkt sondern in der entgegengesetzten, nördlichen Ecke des Gebäudes (der Gaststätte) ereignet. Das zeigen die Bilder recht eindeutig. Dort ist auch im Plan der „vermutliche Ort der Explosion“ eingezeichnet. Allerdings ergibt sich hier gleich das erste Problem: An dieser Stelle hat es laut Zeitzeugen damals keine Tür gegeben. Auch im Lageplan ist an dieser Stelle lediglich ein Fenster eingezeichnet. Die Eingangstür befand sich ca. 11 m von der Stelle der Explosion entfernt. Der Ort der Explosion war somit nicht ein Vorraum, wie man ihn hinter der Eingangstür einer Berghütte erwarten würde, sondern die Küche der Gaststätte. Im Plan eingezeichnet ist eine Stelle unmittelbar neben dem Ofen. An dieser Stelle sind angeblich 50 kg Sprengstoff detoniert. Also hinter dem Küchenfenster in 11 m Distanz zur Eingangstür. Es stellt sich natürlich die Frage, wo Bolognesi zum Zeitpunkt der Detonation war. Beim Küchenfenster oder bei der Eingangstüre? Die Behauptung, Bolognesi habe durch das Öffnen der Eingangstüre einen "Zugzünder" (Abreißzünder) aktiviert und damit 50 kg Sprengstoff gezündet, kann daher nicht stimmen. 
Die Bilder, die die Zerstörungen am Gebäude dokumentieren, lassen keinen Hinweis auf die Detonation von 50 kg Sprengstoff erkennen. Vielmehr scheint es sich bei dem Ereignis um eine Gasexplosion oder Verpuffung oder ähnliches gehandelt zu haben. Die Holzwände wurden ausgebaucht und verschoben, das Dach ist zwischen die Wände nach unten gefallen.
Auf der Skizze finden sich allerdings noch weitere vielsagende Hinweise: Am unmittelbar neben der Küche und durch eine Holzwand getrennt liegenden Abgang zur Toilette findet sich ein Stück Weißblech vom Küchenofen und ein zerbrochener Krug.  Neben dem toten Finanzer, der ca. 30 m weit weggeschleudert wurde, wird ganz prominent der Klosettdeckel eingezeichnet. Auch die ursprüngliche Lage des Klosettdeckels wird auf der Skizze genau dargestellt. Das Klosett befand sich als kleiner Anbau, durch eine Holzwand getrennt, unmittelbar hinter jener Ecke, in der sich der Küchenofen befand. Wollte da der Ersteller der Skizze gar eine Botschaft übermitteln?
Bei genauer Betrachtung des Fotos des Opfers zeigen sich nicht jene Verletzungen, die man von einer Detonation von 50 kg Sprengstoff in unmittelbarer Nähe erwarten würde. Vielmehr zeigen sich am gut erkennbaren Gesicht kaum Spuren von Verletzungen. Auch die Uniformjacke scheint nicht oder nicht stark beschädigt. Allerdings zeigt das Foto auch etwas, was wie der nackte Oberschenkel des Opfers aussieht.
Wenn man alle diese Dinge in Betracht zieht, bleibt eigentlich nur mehr eine einzige Schlussfolgerung übrig:
Es handelte sich keinesfalls um ein Attentat, bei dem 50 kg Sprengstoff hinter der Eingangstüre durch das Öffnen der Türe gezündet wurden. Der Ort der Explosion war vielmehr die Küche und der Grund dafür war ein schadhafter Ofen. Laut Zeitzeugen wurde auf der Hütte ein Gasofen benutzt und aus diesem dürfte wohl Gas ausgeströmt sein. Der Finanzer Bruno Bolognesi befand sich zum Zeitpunkt der Explosion nicht vor der Eingangstüre zum Gebäude sondern offensichtlich auf dem Klosett, welches sich unmittelbar angrenzend an die Küche befand. Möglicherweise hat er durch das Anzünden einer Zigarette die Explosion sogar selber ausgelöst.
Jedenfalls handelte es sich bei diesem Ereignis nicht um ein Attentat, bei dem bewusst der Tod von Menschen in Kauf genommen wurde sondern um einen tragischen Unfall. Man hat diesen tragischen Unfall anschließend bewusst politisch missbraucht und einen Anschlag reklamiert, den es so einfach nicht gegeben haben kann.
 
Einige Zeit später befanden sich einige italienische Offiziere und der bekannte österreichische Sachverständige Oberst Massak auf dem Weg zur Landshuter-Hütte. Massak als Beamter des Innenministeriums und Sachverständiger für Sprengmittel war von Italien offiziell als Bombenentschärfer angefordert worden weil man aufgrund von geheimdienstlichen Informationen wusste, dass BAS-Aktivisten (u. A. der Österreicher Kienesberger) die Landshuter-Hütte vermint hat. Dabei kamen die Leute auch an der Pfitscherjochhütte vorbei und Massak merkt in seinem Gutachten an, dass es bei dieser Hütte einen Anschlag gegeben hat. (Sämtliche Informationen dieses Beitrages stammen aus zwei entsprechenden Gutachten von Oberst Massak und einem Lokalaugenschein)
Als die italienisch-österreichische Mannschaft die Landshuter-Hütte erreichte, war der italienische Teil derselben versperrt, ein Schlüssel war anscheinend nicht verfügbar. Die Hütte befindet sich genau auf der Grenze. Es gab einen kleinen österreichischen Teil und den größeren italienischen Abschnitt. Die Durchgänge waren zugemauert.
Massak begann schon die Türbänder der Eingangstür abzuschrauben als ihm der Verdacht kam, es könnte hier eine ähnliche Höllenmaschine angebracht sein wie (nach offizieller Darstellung) bei der Pfitscherjochhütte. In einer Version seines Gutachtens wurde er von einem italienischen Offizier auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht. Somit stieg er auf Vorschlag der Italiener durch ein Fenster der Veranda ein. Nachdem er in der Hütte während eines schweren Gewitters noch eine heimtückisch versteckte und mit einer äußerst empfindlichen Auslösevorrichtung versehene Bombe erst gesucht, dann gefunden, dann fotografiert und in weiterer Folge entschärft hatte, entdeckte er die an der Eingangstür angebrachte zweite Bombe, die ihm, wäre er regulär in die Hütte eingedrungen, das Leben gekostet hätte. Hat ihm jetzt die falsche Geschichte vom Pfitscherjoch das Leben gerettet? Ein Lokalaugenschein und die Analyse seines Gutachtens lassen Zweifel aufkommen, ob sich die Dinge tatsächlich so abgespielt haben, wie dargestellt. Denn wenn jemand eine Tür so vermint, dass sie beim Öffnen zwangsläufig einen Zugzünder auslöst, der muss wohl die Hütte auf einem anderen Weg verlassen. Und da nicht zu erwarten ist, dass ein Fremder einen Schlüssel hat (wo doch schon die Italiener selber keinen hatten) wird der Bombenleger wohl auch schon über einen anderen Weg hereingekommen sein. Nun waren zwar die Fenster zur Veranda eingeschlagen. Allerdings haben die Italiener erklärt, dass sie selber (!!) 10 Tage vorher die Fenster eingeschlagen hätten, um nachzusehen was in der Hütte los war.
Die  versperrte Tür zwischen Veranda und den Innenräumen wurde laut Gutachten erst vom Herrn Sachverständigen vorsichtig und fachgerecht durch das Abschrauben der Türbänder geöffnet. Massak hat anschließend in der Hütte bei schlechtem Licht nach einer Bombe gesucht, die, selbst wenn sie nicht mit einer empfindlichen Auslösevorrichtung versehen gewesen wäre, bei dem von Massak beschriebenen heftigen Gewitter ohne weiteres von selber hätte zünden können. Der von Massak beschriebene Zünder der Bombe, ein A-Zünder mit hoher Empfindlichkeit, hat in der damaligen Zeit gelegentlich bei Gewitter im Hochgebirge spontan gezündet. Es ist dadurch bei alpinen Baustellen zu Unfällen mit Toten und Verletzten gekommen. (Heute sind bei Sprengarbeiten in Seehöhen über 1.000 m nur mehr äußerst unempfindliche und sichere Spezialzünder erlaubt.) Massak musste das wissen und doch hat er während des Gewitters gemeinsam mit einem nicht ausgebildeten italienischen Offizier in ein und demselben Raum nach der hochgefährlichen Bombe gesucht, sie gefunden und noch in scharfem und instabilem Zustand fotografiert. Die italienischen Behörden hatten offiziell zwar Hinweise auf die Gefährlichkeit der Bombe, allerdings wusste man keine Details. Die Bombe selber befand sich unter einem Sandsack, dessen alleiniges Aufheben die Detonation schon ausgelöst hätte. Glücklicherweise hat Massak diesen Sandsack an der hinteren Seite nur leicht angehoben und dabei die heimtückische Auslösevorrichtung (einen Quecksilberschalter) entdeckt. Somit konnte er Schlimmeres verhindern. Nachdem die erste Bombe unschädlich gemacht wurde, ist er über eine (beim Lokalaugenschein übrigens nicht feststellbare) Treppe zur Eingangstüre gegangen und hat die dort angebrachte Bombe mit dem Zugzünder entschärft. Leider gibt es von dieser Bombe kein Foto. Und das obwohl diese Bombe durch das Gewitter nicht beeinflusst hätte werden können (kein Elektrozünder sondern ein „Zugzünder“) und somit keine unmittelbare Gefahr bestand. Es gibt lediglich einige nichtssagende Fotos von der Tür mit angebrachten Leisten (Als Halterung für den Sprengstoff) und einer herunterhängenden Schnur. Es gibt auch noch Fotos vom Sprengstoff und vom Zünder. Aber alle Fotos wurden erst nach dem Entschärfen, Abmontieren und Zerlegen der Bombe aufgenommen und sind somit bei der Bewertung, inwieweit diese Bombe tatsächlich eine Gefahr dargestellt hat, wertlos. Die Eingangstüre befindet sich übrigens auf gleicher Ebene wie die anderen Räume, in denen Massak vorher gewesen ist. Das dürfte Massak aber entgangen sein.
Anschließend wurde von ihm die Funktionsfähigkeit der ersten Bombenzündung unter Beweis gestellt. Aber auch da hat Massak nicht etwa versucht, den entschärften Teil des Zünders (BMOA-Anzünder ohne Sprengkapsel) zu zünden – was relativ einfach und gefahrlos möglich gewesen wäre -  sondern hat eine Glühbirne anstelle des Zünders angehängt und zum Leuchten gebracht. Was nichts anderes heißt, als dass sowohl der Quecksilberschalter als auch die Taschenlampenbatterie nach längerer Zeit in einer eiskalten Berghütte auf 2.700 m Seehöhe tadellos funktioniert haben. Ob aber der BMOA-Anzünder überhaupt funktionsfähig war, kann man auf diese Weise nicht feststellen. Massak äußert sich nicht weiter zu dieser Sache.

 
Schlussfolgerungen: Ein nicht funktionsfähiger (weil z. B. bereits abgeschossener) BMOA-Zünder wäre in diesem Fall eine gute Erklärung für den ansonsten sehr bewundernswerten Mut des Herrn Sachverständigen und seiner italienischen Begleiter. Mag ja sein, dass man aufgrund von Zeitmangel das Risiko eines unbeabsichtigten Zündschlages infolge des Gewitters einzugehen bereit war. Schließlich war der aus Holz bestehende Hüttenboden gegen den Fels hin etwas isoliert. Aber eine Suche nach einer hochgefährlichen Mine in Begleitung einer weiteren Person – sei sie nun ausgebildet oder nicht – ist fahrlässig und absolut unüblich. Die ganze Geschichte ergibt erst dann einen Sinn, wenn man von Seiten der italienischen Offiziere Massak die Ungefährlichkeit der zu suchenden „Höllenmaschine“ zugesichert und ihn als vertrauensbildende Maßnahme begleitet hat.

Über die Gründe dieser eigenartigen Aktion kann man spekulieren. Es ging anscheinend darum, im Spiel von BAS (Befreiungsausschuß Südtirol, speziell der Personenkreis rund um Burger und Kienesberger) und italienischem Geheimdienst Verwirrung und Unruhe zu stiften und gleichzeitig die politische Entwicklung hin zum Autonomiepaket zu hintertreiben. Mit dieser Aktion konnte man zeigen, wie skrupellos die österreichischen BAS Aktivisten das Leben von unschuldigen Menschen aufs Spiel setzten und gleichzeitig die (durch eine Gasexplosion bzw. durch einen Unfall) zerstörte Pfitscherjochhütte und den getöteten Soldaten Bolognesi noch nachträglich als Anschlagsziel und Terroropfer bestätigen. Als "Kronzeugen" hat man dafür den bekannten österreichischen Experten, Oberst Alois Massak, ausersehen. Somit setzte man zwangsläufig auch die österreichische Politik und Verwaltung unter Zugzwang.

Skizze Pfitscherjochhütte

Unteres Bild: Zwei BMOA-Zünder (baugleich mit dem Zünder der ersten Bombe auf der Landshuterhütte). Ein BMOA-Zünder ist abgeschossen, der zweite ist funktionsfähig. Dazwischen eine dazugehörige Sprengkapsel Nr. 8 (sprengkräftige Zündung). Es gibt auf den ersten Blick keinen Unterschied zwischen einer funktionsfähigen und einer nicht-funktionsfähigen Zündung. 


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