Cold Case Porzescharte

Cold Case Porzescharte

Von einem Attentat das keines war - eine sprengtechnische Analyse

Vor gut 50 Jahren steuerte die Attentatsserie in Südtirol bzw. Italien ihrem Höhepunkt zu: Auf der Porzescharte zwischen Osttirol (Obertilliach) und Italien (Provinz Belluno) wurde ein Strommast gesprengt.

Ein durch den Detonationslärm alarmiertes Alpini Detachement begab sich unverzüglich zum Ort des Geschehens. Noch bevor man den Mast erreichte, detonierte eine Mine und tötete den Funker Amando Piva. Daraufhin forderte man eine Spezialeinheit an. Vier Fallschirmjäger mit einer besonderen Ausbildung zum Suchen und Aufspüren von Sprengkörpern wurden auf die Porzescharte geflogen. Dort lösten sie eine am Weg zur Scharte vergrabene Mine aus. Drei Fallschirmjäger wurden getötet, einer schwer verletzt.
Soweit die offizielle italienische Darstellung.


Italien machte starken diplomatischen Druck auf Österreich um die Mörder zu finden und zu verurteilen. Und die österreichischen Kriminalbeamten wurden fündig:

Man ermittelte, dass drei Mitglieder des BAS, des Befreiungsausschusses Südtirol in der fraglichen Nacht von Obertilliach Richtung Porzescharte aufgestiegen sind. Als Grund für ihre nächtliche Bergtour gaben sie eine Nachricht an, in der sie aufgefordert wurden, einen verletzten BAS-Aktivisten auf der Porzescharte zu übernehmen und für seinen Weitertransport in ein österreichisches Spital zu sorgen. Allerdings gab es starke Zweifel an der Authentizität der brieflichen Aufforderung, da einige der üblichen Sicherheitsmerkmale fehlten. Man befürchtete, dass es sich um eine Falle handeln könnte. Trotzdem beschloss man, einen Versuch zu wagen. Die drei Aktivisten stiegen nicht auf dem Normalweg sondern etwas weiter westlich über das Rosskar auf. Von dort aus konnte man relativ gefahrlos einen Blick auf die italienische Seite der Scharte riskieren. Obwohl Leute auf der Scharte zu erkennen waren, klappte die vereinbarte funktechnische Kontaktaufnahme mit den Kollegen aus Südtirol nicht. Somit brach man die Aktion ab und war kurz nach Mitternacht wieder in Obertilliach. Ein entwertetes Ticket für die Eisenbahn, die einer der Aktivisten für die Rückreise benutzt hat, bestätigte die Zeitangaben. Soweit die Darstellung der BAS-Aktivisten.


Beim ersten Prozess im Jahr 1968 gegen die drei BAS-Mitglieder kam es zu einer (milden) Verurteilung. In zweiter Instanz wurden Freisprüche gefällt. Ein Zeit-Weg-Diagramm zeigte die Unmöglichkeit, in der nachweislich zur Verfügung stehenden Zeit - 30 Minuten - die Tat zu begehen. Ein Handschuh, der am Fuße des Mastes gefunden und dem Haupttäter zugeordnet wurde, war diesem um einige Nummern zu groß und das nachweislich in mehreren Punkten falsche Geständnis eines der nächtlichen Bergsteiger wurde von diesem widerrufen. Der Fall wurde anschließend auf Empfehlung des Justizministers Broda von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger außerordentlich beendet.

In Italien wurden die drei Aktivisten in einem Verfahren, zu dem sie nicht einmal geladen wurden (!), zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die drei Aktivisten befanden sich zu dieser Zeit in Untersuchungshaft in Österreich. Das sollte auch in Italien bekannt gewesen sein.  Von italienischer Seite machte man sich aber nicht die Mühe, sie zu verständigen.

Um guten Willen zu demonstrieren beorderte die Republik das österreichische Bundesheer an die Grenze. Das war einer der ersten Assistenzeinsätze. Vor einigen Jahren untersuchte nun der Historiker des Bundesheeres, Oberst Dr. Hubert Speckner, die Hintergründe dieses Einsatzes und sichtete das umfangreiche Material, welches sich in den österreichischen Archiven befindet. Die Ergebnisse überraschten. Standen sie doch in einem starken Widerspruch zu der offiziellen Darstellung.  So entschloss sich Dr. Hubert Speckner, ein Buch über diesen Fall zu veröffentlichen.

Das Buch „Zwischen Porze und Roßkarspitz..." erregte in Fachkreisen große Aufmerksamkeit. Es wurde darin gezeigt, dass sich der Fall nicht so zugetragen haben kann wie er dargestellt wurde. Eine Schwachstelle in dem Buch waren allerdings jene Punkte, die sich auf die sprengtechnischen Aspekte bezogen. Als Historiker erkannte Speckner nicht die Brisanz einiger sprengtechnischer Details. (Genau genommen wurden die sprengtechnischen Aspekte entweder gar nicht oder falsch behandelt)

Es wurde selbstverständlich auch im Jahr 1967 ein sprengtechnisches Gutachten eingeholt. Bei einer gemeinsamen Begehung des Tatortes durch italienische Kräfte und dem bekannten österreichischen Sachverständigen Oberst Massak wurde von diesem sogar ein vergrabenes Kästchen (mit einem Kontaktschalter) gefunden, welches einerseits als Auslöser für eine der Minen gedient haben soll und auf dem andererseits ein Bekennerschreiben des BAS zu lesen stand. Der österreichische Sachverständige und die Exekutive standen unter enormem politischen Druck. Italien drohte aufgrund der fortgesetzten Sprengstoffattentate die Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen Österreichs mit der EWG scheitern zu lassen, was in Folge zu starken negativen Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft und den damit verbundenen Arbeitsplätzen geführt hätte. Man sah sich gezwungen, einen Ermittlungserfolg im Sinne der italienischen Forderungen zu erbringen. Das sprengtechnische Gutachten wurde in diesem Sinne verfasst. Der anschließende Prozess wurde in Wien und nicht in Tirol geführt, um nach Möglichkeit keine Geschworenen mit Sympathien für den BAS entscheiden zu lassen. Trotzdem kam es in zweiter Instanz zu einem Freispruch.

Entscheidend für den Freispruch waren  zwei Zeit-Weg-Diagramme von verschiedenen Sachverständigen, die als Zeitfenster für die Begehung dieser Taten maximal 30 Minuten ermittelten. Eine Zeit, die nicht im Entferntesten für die zur Last gelegten Taten reichen würde. 

48 Jahre nach dem Attentat und in Kenntnis der akribischen Arbeit von Dr. Speckner erhielt ich von ihm der Auftrag, die sprengtechnischen Aspekte genauer zu untersuchen.  Zur Abklärung von sprengstatischen Fragen wurde Dr. Melzer aus Dresden herangezogen. Nachdem so eine Mastsprengung gewissen technischen Randbedingungen unterworfen ist sollte es möglich sein, auch nach beinahe 50 Jahren weitere Informationen und Rückschlüsse auf die Täter zu gewinnen. Dazu mussten einige Fragen geklärt werden: 

Zuerst galt es einmal die Fallrichtung des Mastes zu untersuchen. Nachdem die Leitung bei jenem Mast einen Knick aufweist, war die Fallrichtung zur Außenseite des Knickes sehr ungewöhnlich. Der Zug der Leitungen war Richtung Südost. Der Mast stürzte jedoch nach Nordwest. Und er muss dabei sehr langsam umgefallen sein, da der Ausleger beim Auftreffen auf den Fels nicht beschädigt wurde.

Die nächste Frage, die zu klären war bezog sich auf die aufgefundenen Installationsmaterialien für eine zeitverzögerte Sprengung. War es denn damit überhaupt möglich, innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne eine funktionierende Sprenganlage zu bauen?
Dem damaligen österreichischen Sachverständigen wurde eine Reihe von Drähten, Batterien, 2 Uhren, Reste von 7 Stück BMOA-Zündern und verschiedene elektrische Steckverbinder präsentiert, die man angeblich am Fuße des Mastes gefunden hat. Eine der beiden Uhren, die man als Zeitschalter umgebaut hatte, war defekt und konnte keinen Kontakt schließen. Leider gab es keinen Versuch, aus dem Material eine vernünftige Schaltung zu bauen um zu beurteilen, ob die 3 BAS-Aktivisten in der Lage gewesen wären, so etwas in der zur Verfügung stehenden Zeit ohne künstliches Licht in schwierigem Hochgebirgsgelände auf einem Mast zu installieren. Schließlich war das Gelände von dem ca. 1,7 km Luftlinie entferntem italienischen Stützpunkt am Tilliacherjoch  einsehbar. Die Verwendung von künstlichem Licht (Taschenlampe oder Stirnlampe) war daher nicht möglich. Bei der Abschätzung des Zeitbedarfes mussten noch die beiden Minen berücksichtigt werden. Sie wurden in der Nähe des Mastes angeblich so raffiniert vergraben, dass sie 10 - 15 Stunden später bei hellem Sonnenlicht von ausgebildeten Spezialisten nicht rechtzeitig entdeckt werden konnten. Selbst nachdem bereits eine Mine detoniert war, fiel ein Team von eigens dafür ausgebildeten Spezialisten gut 100 Meter entfernt von der ersten Mine einer weiteren Mine zum Opfer. So die italienische Darstellung.

Eine andere Frage betraf die Gefährlichkeit der damals eingesetzten A-Zünder in Zusammenhang mit einer 220 KV-Leitung. Denn es war klar: Wer auch immer einen empfindlichen A-Zünder zusammen mit Sprengstoff an einem Strommast einer 220 KV-Leitung in einer Seehöhe von gut 2.300 m anbringt, ist entweder sehr mutig oder sehr naiv -  wahrscheinlich aber beides.

Weitere Fragen, die sich in diesem Zusammenhang noch stellten war die zeitliche Diskrepanz zwischen dem in Soverzene festgestellten Erdschluss und der Wahrnehmung der Detonation durch die Besatzung des italienischen Stützpunktes am „Schutzhaus Vallona" (möglicherweise Kaserne Tilliacher Joch Forcella de Dignas in ca. 1.700 m Entfernung). In Soverzene stellte man um 2,12 Uhr einen Erdschluss fest. Ein Schaltversuch wenige Minuten später verlief negativ. Die Besatzung der italienischen Garnison behauptete aber, dass sie erst gegen 3 Uhr die Detonation gehört hätten.

Etwas rätselhaft war zudem noch die Abschaltung der Stromleitung durch die italienische Stromgesellschaft in der Nacht vor dem Attentat. Hatte diese Abschaltung etwas mit dem Attentat zu tun oder nicht? Die italienische Erklärung bezog sich auf einen Austausch von Isolatoren, der in der Kühle der Nacht einfacher durchzuführen gewesen wäre.

Und da gab es dann noch weitere recht eigenartige Informationen, die ebenfalls zu berücksichtigen waren: Italien hat Österreich relativ spät informiert. Die italienische Information sprach definitiv von 3 abgesprengten Eckstielen (nicht aber von einem umgestürzten Mast). In den offiziellen Stellungnahmen des Innenministeriums (bis 10 Tage nach dem Anschlag) ist dann von 4 Ladungen an den Eckstielen die Rede, von denen aber nur 3 detoniert wären. Diese Version blieb selbst dann noch aufrecht, nachdem eine gemischte österr. ital. Kommission 9 Tage später eine Begehung durchgeführt hat. Auf den Fotos des gesprengten Mastes sind 4 abgesprengte Eckstiele zu sehen, aber keine nicht detonierte Ladungen. Das damals eingeholte sprengtechnische Gutachten erwähnte keine nicht detonierte Ladung.

Analyse der Fallrichtung

Der Mast war und ist auch heute noch ein sogenannter "Winkelabspannmast". Dieser Mast steht am höchsten Punkt. Die benachbarten Masten befinden sich auf tieferem Gelände. Außerdem ändert die Leitung beim Mast ihre Richtung. Das Gutachten Melzer zur Statik zeigte, dass die Leitungen aufgrund der Richtungsänderung mit 300 kg nach Südosten gezogen haben. Wäre der Mast in diese Richtung abgestürzt, wären durch den plötzlichen Abfall der Zugkräfte der Seile größere Schäden auch an den benachbarten Masten unvermeidlich gewesen. Das Gelände fällt, von einem seitlichen Felsrücken abgesehen, in diese Richtung sehr steil ab. Der Mast wäre komplett abgestürzt und zerstört worden. Der Mast ist aber gegen den Zug der Seile sehr langsam bergwärts nach Nordwesten umgesunken (lt. offiziellem Protokoll der Stromgesellschaft). Der Ausleger wurde nicht verbogen, keines der Seile ist gerissen. Laut damaligem Gutachten wurden 4 Eckstiele abgesprengt. Die Sprengstellen kann man auf den alten Fotos erkennen. Wenn aber nur die 4 Eckstiele abgesprengt wurden reichten laut Gutachten Melzer die 300 kg Zugkraft nicht aus, um den Mast umstürzen zu lassen. In so einem Fall wäre der Mast sicher stehengeblieben. Es muss daher zusätzliche Sprengstellen gegeben haben, die auch für die Fallrichtung verantwortlich waren. Anmerkung: Es ist sehr wahrscheinlich, dass der damalige Sachverständige nicht erkannt hat, dass auf der nordwestlichen Seite Stücke herausgesprengt wurden falls er nicht explizit danach gesucht hat. Der Mast wurde somit bewusst in jene Richtung gesprengt, in der der mit Abstand geringere Schaden zu erwarten war. Nachdem alle 4 Eckstiele abgesprengt waren, mussten auf der nordwestlichen Seite noch weitere Sprengladungen zum Einsatz gekommen sein. Die zwei möglichen Szenarien sind somit folgende:

- Es wurden zuerst die 4 Eckstiele abgesprengt. Nachdem der Mast stehengeblieben ist, wurden an der gefahrlosen (weil zugabgewandten)  nordwestlichen Seite zwei weitere Ladungen angebracht und der Mast zum Umstürzen gebracht. Damit ist technisch die Täterschaft der BAS Aktivisten bereits ausgeschlossen. Die hatten nur eine Zündmöglichkeit zur Verfügung. 
- Es wurden von vornherein mindestens 6 Ladungen angebracht. Zwei im Südosten und 4 im Nordwesten, wobei im Nordwesten jeweils ein Stück der Eckstiele herausgesprengt wurde. Somit ließ man den Mast bewusst in jene Richtung fallen, in der bei weitem die geringsten Schäden zu erwarten waren. Auch dieses Szenario spricht gegen die Täterschaft des BAS.
Ein kleines Detail am Rande: Die damalige Karte zeigt an dieser Stelle einen wesentlich stärkeren Knick. Wäre der Knick in der Realität ebenfalls derart stark, hätte ein Absprengen der vier Eckstiele möglicherweise gereicht, um den Mast umstürzen zu lassen. Der Knick ist in Wirklichkeit deutlich schwächer.

Hätten die BAS-Leute die Sprengung mit den präsentierten Zeitschaltuhren durchgeführt, hätten sie lediglich eine einzige Zündmöglichkeit gehabt. Denn die zweite Uhr wurde in beschädigtem Zustand aufgefunden. Die Beschädigung ist eingetreten, bevor der Kontakt geschlossen wurde. Die einzig mögliche Variante für dieses Szenario lautet daher: Die BAS-Leute hätten die Sprengung so gestalten müssen, dass die Auswirkungen und Schäden dieser Sprengung möglichst gering ausfallen würden. Diese Annahme ist aus verständlichen Gründen zu verwerfen.


Technische Details zu den angeblich am Mastfuß aufgefundenen Materialien.

Laut italienischer Darstellung wurde beim Mast eine Reihe von Materialien gefunden, die bei der Sprengung zum Einsatz gekommen sind. Es waren dies 6 Zwillingsleitungen, an denen Zünderdrähte von Schaffler-Momentzündern der Empfindlichkeitsklasse „A" (Antistatikzünder) angebracht waren.
Später wurde eine weitere Leitung nachgereicht, die auf österreichischer Seite von Verbundmitarbeitern gefunden wurde.  Die Drähte waren z T. an Steckverbindern angelötet (Laborstecker).  Die Stecker wiesen verschiedene Farbcodes auf. Dann gab es noch zwei Batteriepakete und zwei Uhren, von denen eine beschädigt war. Die einfachste Möglichkeit mit den präsentierten Materialien eine sinnvolle Schaltung aufzubauen war es vermutlich, zu den 4 Ladungen an den 4 Eckstielen je 2 Zwillingsleitungen zu legen und jeweils 1 Leitung pro Ladung gemeinsam mit einer Uhr und einem Batteriepaket zu je einer funktionsfähigen Schaltung zu verbinden. Bei 7 Leitungen würde allerdings zu einer Ladung nur mehr eine einzelne Doppelleitung mit einem Zünder führen. Analog gilt bei 6 Sprengstellen, dass zu 5 Ladung je eine und zu einer Ladung zwei Leitungen geführt haben. Klarerweise sind auch kompliziertere Schaltungen möglich. Allerdings wird es sehr schwer sein, in finsterer Nacht derartige Schaltungen fehlerfrei und ohne Unfall zu installieren. Der Anführer der BAS-Mannschaft war gelernter Elektriker und verfügte zweifelsfrei über die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten. Allerdings wird er wohl auch um die Gefährlichkeit einer derartigen Arbeit mit hochempfindlichen Zündern in dieser Situation gewusst haben. BAS-Aktivisten bevorzugten üblicherweise die wesentlich einfachere Version mit Sprengschnur. Dabei ersparte man sich das Hantieren mit potentiell sehr gefährlichen Zündern am Mast und brachte die Zündung in sicherer Entfernung vom Mast an der Sprengschnur an. Das Laden mit Sprengschnur ist bei weitem zeitsparender durchzuführen und bietet einen guten Schutz vor einer Zündung durch Streuströme. In dem im Zeit-Weg-Diagramm angegebenen Zeitfenster von 30 Minuten ist es nach Ansicht des Autors jedenfalls bei weitem nicht möglich, den Mast mit den angeblich dort gefundenen Materialien in dieser Weise zu verkabeln und zusätzlich zwei improvisierte Minen plus Auslösevorrichtung mit der dafür notwendigen Sorgfalt zu legen.

Analyse der Zündtechnik

In den 1980er Jahren bekam der US-amerikanischer Sprengtechniker Lewis Oriard den Auftrag, in einem Kraftwerksgelände in Spanien Sprengarbeiten durchzuführen. Nachdem man die Leitungen nicht wegen der Sprengungen abschalten konnte, untersuchte Oriard die Auswirkung von Hochspannungsleitungen auf die damals bei den Amerikanern gebräuchlichen Zünder. Es handelte sich dabei - wie bei der Leitung Lienz-Soverzene - ebenfalls um 220 KV-Leitungen. Entgegen aller Erwartung stellte sich heraus, dass 8 Meter unterhalb der Leitung weder Induktionsströme noch statische Elektrizität eine Gefahr für die Zünder darstellten. Allerdings bezog sich die gesamte Untersuchung nur auf den Bereich zwischen den Masten und nicht auf die Masten selbst. Die damals untersuchten Zünder wiesen eine ähnliche Empfindlichkeit wie die österreichischen „A"-Zünder auf. Oriard verwendete sie dann trotz der ermutigenden Resultate seiner Untersuchungen nicht und wich auf österreichische Polex-Zünder der Firma Schaffler aus. Polex-Zünder sind hochunempfindliche elektrische Zünder. Sie sind praktisch unempfindlich gegenüber Streuströmen und für solche Arbeiten bei weitem besser geeignet. Heute sind dürfen für Sprengarbeiten ab 1.000 m Seehöhe nur mehr diese besonders sicheren Zünder verwendet werden. Aber selbst mit diesen speziell sicheren Zündern wird kein vernünftiger Sprengtechniker direkt an einem Metallmast einer unter Strom stehenden 220 KV-Leitung in einer Seehöhe von über 2.300 m arbeiten, wenn es eine Alternative (Sprengschnur) gibt. Es besteht immer das Risiko einer unbeabsichtigten Detonation. Das Risiko ist deutlich kleiner mit den modernen weitgehend unempfindlichen Zündern und entsprechend größer mit jenen, in den 1960iger Jahren gebräuchlichen hochempfindlichen Zündern.  
Im Jahr 1967 gab es die gegen Streustrom unempfindlichen Zünder noch nicht. Die gebräuchlichen Zünder waren von der hohen Empfindlichkeit „A" (Antistatikzünder) und jeder Sprengtechniker wusste, dass man solche Zünder besser nicht an einem Strommast einer 220 KV-Leitung im Hochgebirge anbringen sollte. Denn neben der Gefahr durch Induktion und statischer Elektrizität gibt es bei einem Strommast noch die Gefahr von Kriechströmen am Mast und Strömen durch atmosphärische Entladungen bzw. Blitzschlag irgendwo entlang der Stromleitung. In so einem Fall ist es die einzig vernünftige Strategie, die Leitung zu erden und abzuschalten.

Und genau das dürfte auch in jener Nacht passiert sein.

Nachdem in der Nacht vor diesen Ereignissen der Strom für einige Stunden (von italienischer Seite her) abgeschaltet war, liegt der Verdacht nahe, dass man in dieser Zeit eine Manipulationsvorrichtung an einem Mast auf italienischer Seite angebracht hat. Das kann durchaus ein größeres Stück weiter unten passiert sein. Mittels einer einfachen Manipulationsvorrichtung (z. b. durch einen Bolzen gesichertes bewegliches Stahlprofil am Mast) wäre es möglich gewesen, vor Beginn der Ladearbeiten einen Erdschluss herbeizuführen und somit die Leitung stromlos zu schalten. Jener Erdschluss, der um 2,12 in Soverzene registriert wurde, war Höchstwahrscheinlich nicht auf das Umfallen des Mastes zurückzuführen sondern auf das Erden der Leitung. Unmittelbar danach wurde in Soverzene die Leitung automatisch abgeschaltet.  Am 1,7 km entfernten italienischen Stützpunkt mit direktem Sichtkontakt zum Mast wurde zu diesem Zeitpunkt jedenfalls keine Detonation wahrgenommen. Somit ist für den Zeitpunkt 2,12 Uhr eine Sprengung als Grund für den registrierten Erdschluss auszuschließen.

Anmerkung:

Es gibt Fotos (siehe Ende des Artikels), die jene Stelle zeigen, an der die hangseitige Phase beim Umstürzen des Mastes den Erdboden berührt hat. Es sind an dieser Stelle keinerlei Anzeichen eines Lichtbogens oder von Verbrennungen erkennbar. Nachdem beim 2. Schaltversuch wenige Minuten nach dem automatischen Abschalten der Leitung die identischen technischen Parameter (Relaisdaten) zum Erdschluss festgestellt wurden wie bei der automatischen Abschaltung, müsste die hangseitige Phase beim Auftreffen auf die Erde noch unter Strom gestanden sein und die Abschaltvorrichtung ausgelöst haben. Die Abwesenheit von jeglichen Brandspuren ist in so einem Fall zwar möglich, aber doch ungewöhnlich. 

Es existiert ein Protokoll der Verbundgesellschaft als Betreiber der Leitung. Die Reparaturmannschaft, bestehend aus Österreichern und Italienern, hat das Gelände nur wenige Tage nach der Sprengung des Mastes in Augenschein genommen und ist zum Schluss gekommen, dass die von den italienischen Behörden präsentierte Geschichte unmöglich stimmen konnte. Der Lienzer Bezirkshauptmann Doblander kam bei seiner Besichtigung am Tag nach dem Anschlag zum gleichen Ergebnis. Weder Doblander noch die Mitglieder der Reparaturmannschaft wurden als Zeugen vernommen bzw. im Prozess gehört.                                                                                            
Erst nachdem die Leitung geerdet und abgeschaltet war, dürften sich Sprengtechniker an die Arbeit gemacht haben und den Mast geladen haben. 30 bis 45 Minuten später erfolgte die Sprengung und diese wurde dann auch von der Mannschaft des „Schutzhauses Vallona"  wahrgenommen. Wenn man eine derartige Sprengung mit mehreren Personen auf konventionelle Weise durchführt, reichen 30 Minuten vollkommen aus, um den Mast zu laden.

Ergebnis:

Es ist mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass die beschuldigten und in Italien verurteilten drei BAS-Aktivisten für die Sprengung des Mastes auf der Porzescharte verantwortlich sind. Die tatsächlichen Urheber der Mastsprengung haben die Leitung vor dem Laden geerdet. Sie haben entweder den Mast von vornherein in eine Fallrichtung gesprengt, die nur minimale Schäden bewirkt. Noch wahrscheinlicher ist allerdings, dass man nach einem ersten Sprengversuch noch ein weiteres Mal gesprengt hat, um ein Umstürzen des Mastes zu bewirken. Jene Leute, die den Mast gesprengt haben können mit Sicherheit auch Auskunft darüber geben, wer für die vier Toten und den schwer verletzten Italiener verantwortlich ist.

Nachsatz:

Was damals tatsächlich vorgefallen ist, kann nur vermutet werden. Speckner nimmt an, dass die Toten von einem Unfall stammen und nicht wenige Meter südlich der Porzescharte von einer Mine getötet wurden. Als mögliche Täter identifizierte Speckner Mitglieder der rechtsradikalen Gladio-Organisation. Die Mastsprengung in Verbindung mit der gefälschten Bitte um ärztliche Hilfe hat möglicherweise einerseits dazu gedient, den damals sehr bekannten BAS-Aktivisten Peter Kienesberger festzunehmen und andererseits weitere Unruhe in die Südtiroler Autonomieverhandlungen zu bringen. Die rechtsradikale Gladio war nicht an einer Autonomie für Südtirol interessiert. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass man für diesen Zeitpunkt Morde geplant und durchgeführt hat und die ganze Aktion lediglich dazu gedient hat, von den wahren Tätern abzulenken. 
Es war in dieser Zeit anscheinend nichts ungewöhnliches, Personen, die bei einem Unfall ums Leben gekommen sind als Terroropfer zu präsentieren. Ein Beispiel: bei einem „Attentat" auf den Finanzerstützpunkt Pfitscherjoch" mit einem Toten hat es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Unfall (Gasexplosion durch einen schadhaften Gasofen in der Küche) gehandelt. Italien beschuldigt heute noch Mitglieder der „Pusterer", dieses Attentat durchgeführt zu haben. Ähnliches ist für den „Anschlag" auf der Steinalm anzunehmen.

Unfall durch Funkwellen

Beim ersten Todesopfer auf der Porzescharte handelte es sich um den Funker Amando Piva. Die im Jahr 1967 befassten Sachverständigen kamen bei der Berechnung der Sprengstoffmenge, die Piva getötet und dabei einen entsprechenden Krater hinterlassen hat und bei der Berechnung der notwendigen wirksamen Sprengladung für einen Eckstiel des Mastes auf ungefähr gleich große Sprengstoffmengen. Ein Tornister-Funkgerät, wie es Piva umgeschnallt hatte ist vermutlich in der Lage, einen empfindlichen Zünder der Type "A" wie er damals gebräuchlich war alleine durch die Energie der Funkwellen zu zünden. Jedenfalls befand sich der Funker deutlich innerhalb jener Distanz, die wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge als Sicherheitsabstand notwendig ist.  Ein Zusammenhang mit jener in offiziellen Quellen erwähnten vierten Ladung, die bei der Mastsprengung nicht detoniert ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Könnte es sein, dass jemand diese vierte Ladung vom Mast entfernt und sie in "sicherer" Entfernung abgelegt hat? Und dass die Funkwellen des Tornister-Funkgerätes die Ladung eben in jenem Moment gezündet haben, in welchem sich Piva in unmittelbarer Nähe derselben befand? Auch eine direkte Berührung der Zünderdrähte durch die Antenne ist  nicht unwahrscheinlich. Die damaligen Antennen waren ähnlich den heutigen Rollmeter-Stahlmaßbändern aufgebaut und knickten, wenn sich der Funker nach vor beugte.

Jedenfalls ist diese Erklärung logischer als jene offizielle Erklärung, die von einer im Übrigen nie gefundenen "Kupferdrahtschlinge" sprach, durch die die Zündung ausgelöst wurde. Ein Zeitzeuge berichtet darüber hinaus von einem Auslösekästchen ähnlich jenem, welches bei der anderen Detonationsstelle gefunden wurde. Das Kästchen wurde sonst von niemand gesehen. Der damalige Sachverständige Massak schrieb in seinem Gutachten, dass man keinerlei Auslösevorrichtung entdeckt hätte. Außerdem stellte er Überlegungen zu den Verletzungen von Piva an, die so gar nicht zu einer am Boden vergrabenen Mine passen wollten. Piva hatte seine Verletzungen hauptsächlich am Oberkörper und Massak vermutete, dass die Mine etwas höher im Hang vergraben gewesen sein könnte. Ein neugieriger Funker, der sich über die Ladung beugt und sie dabei auslöst wäre hingegen eine recht logische Erklärung für die schweren Verletzungen am Oberkörper. 

Das diesbezügliche Szenario würde somit folgendermaßen aussehen: Bei der ersten Sprengung sind nur 3 Ladungen detoniert, eine vierte Ladung versagte. Als durch den Knall alarmierte Soldaten  zum Mast gekommen sind, haben sie per Funk die Situation gemeldet. Diese Meldung ist so nach Österreich weitergegeben worden und tauchte anschließend 10 Tage lang immer wieder in den offiziellen Mitteilungen des Ministeriums auf ("Ein Mast wurde gesprengt. Von den 4 Ladungen sind 3 detoniert"). Die nicht detonierte vierte Ladung wurde auf einer Fläche unmittelbar unterhalb der Porzescharte abgelegt. Dort löste der Funker Piva mit seinem Funkgerät den Zünder unabsichtlich aus und starb bei der Detonation. Um den Unfall zu vertuschen erfand man die Geschichte von der Kupferdrahtschlinge und der heimtückisch versteckten Mine.

Allerdings musste man sich nun um den Mast kümmern. Denn der stand vermutlich noch und ein Eckstiel war unversehrt. Man näherte sich dem Mast von der oberen, ungefährlicheren Seite und brachte noch einmal 3 Ladungen an und erreichte ein Umfallen der Konstruktion. (Das könnte dann jene Sprengung gewesen sein, die der Lehrer Scheran bei seiner Bergtour auf das 4 km entfernte Spitzköfele gehört hat - siehe Buch Speckner.) Am Nachmittag des gleichen Tages brachte man weitere Opfer eines Unfalles per Hubschrauber auf die Porzescharte und erweiterte die Geschichte um diese Toten. Es gibt Informationen, nach denen am Kreuzbergpass beinahe zeitgleich ein Unfall beim Minenlegen passiert sein soll. Die Verletzungen dieser Leute passen ebenfalls nicht zu der präsentierten Geschichte. Sie lassen auf eine wesentlich zerstörerische Mine schließen. 

An jener Stelle nahe der Porzescharte, an der damals angeblich jene Mine detoniert ist, die drei Menschen getötet und einen schwer verletzt hat, wurden Kreuze angebracht. An der knapp 50 m entfernten Stelle, an der die Körper zweier Soldaten zu liegen gekommen sind, wurde eine (solarbeleuchtete!) Gedenkstätte errichtet. So tragisch der Tod dieser drei Soldaten war: Die beiden Soldaten können alleine durch die Detonation der Mine nicht so weit geschleudert worden sein. Wie sind aber die Körper an diese Stelle gekommen? Angeblich sind sie über den 35 Grad steilen Hang gekollert bzw. z. T. über das Schneefeld gerutscht. Allerdings wies das Schneefeld keine Blutspuren auf. Ein runder Stein, der versuchsweise von der mutmaßlichen Unglückstelle in Richtung Gedenkstätte gerollt wurde, ist der Falllinie folgend stark nach rechts abgebogen und in großer Entfernung von der Gedenkstätte liegengeblieben. Der österreichische Sachverständige Harald Hasler hat eine Reihe von Sprengversuchen mit Dummies in einem ähnlich steilen Gelände durchgeführt und ist zu Resultaten gekommen, die die Geschichte von der vergrabenen Sprengladung eindeutig widerlegt. 

Die italienische Darstellung weist aber noch weitere Ungereimtheiten auf. Wenn bereits eine Mine detoniert ist, herrscht im entsprechenden Gebiet höchste Alarmstufe. Warum sind aber die vier Spezialisten (lt. Italienischer Darstellung) eng beieinander den Weg entlang gegangen? Nur deswegen konnte eine einzige, relativ kleine Mine angeblich drei Personen töten und eine weitere schwer verletzen. Logisch wäre vielmehr, dass die vier Männer vom Riparto Speziale einen möglichst großen Abstand zwischen einander eingehalten hätten. Dadurch wäre bei der Detonation einer Mine nur eine Person zu Schaden gekommen. Nachdem der Karrenweg der bequemste Zugang zum Mast von italienischer Seite ist, wäre wohl hier am ehesten eine Mine zu erwarten gewesen. Massak weist in seiner ersten Stellungnahme auch genau darauf hin. Man müsste darüber hinaus annehmen, dass eine Minensuch-Spezialeinheit eine hastig vergrabene Mine rechtzeitig entdecken sollte. Somit hat sich auch dieser Teil der Geschichte mit Sicherheit ganz anders abgespielt. 

Der Grund für die Mastsprengung war zweifelsfrei der Versuch, die Autonomieverhandlungen zu stören. Das Autonomiestatut für Südtirol wurde wohl auch und besonders von rechtsgerichteten faschistischen italienischen Kreisen nach Kräften bekämpft. Eine logische Tätergruppe könnte aus Gladio-Bewegung kommen. 

Wer waren die Personen, die den Mast gesprengt haben?

Der Mast auf der Porzescharte wurde ein gutes halbes Jahr früher schon einmal gesprengt. Die Zündung wurde dabei mit Sprengschnur durchgeführt. Allerdings zündeten einige Ladungen nicht. Was auf eine im Umgang mit Sprengschnur nicht ausgebildete Person hindeutet. Wollte man da einen BAS-Anschlag vortäuschen ohne die notwendige Fachkenntnis zu haben? Und ohne Fachkenntnis kommt es u. Umständen zu einem falschen Einbau von Abzweigungen und zwangsläufig zu einem Abschlagen der Sprengschnur und damit zu Zündversagern. Der Einsatz (und die Verfügbarkeit) von Sprengschnüren in der zivilen Sprengtechnik war damals erst wenige Jahre alt. Früher ausgebildete Sprengtechniker haben den Umgang mit Sprengschnüren nicht erlernt. Der BAS hat jedoch seine Aktivisten  im Umgang mit dieser Technik gut ausgebildet. Somit deutet diese erste, fehlgeschlagene Sprengung auf eine andere Tätergruppe hin. Auch hat sich der BAS zu diesem Anschlag nicht bekannt. Ein halbes Jahr später fand dann jene Mastsprengung statt, die Gegenstand dieses Artikels ist. Hier verwendete man nicht mehr die BAS-Methode mit der Sprengschnur sondern setzte eine herkömmliche Sprengtechnik mit Elektrozündern ein. Somit vermied man die Probleme, die aus der mangelnden Fachkenntnis resultierten, handelte sich aber neue ein: Direkt am Mast einer unter Spannung stehenden Hochspannungsleitung angebracht, stellen elektrische Zünder ein extrem großes Risiko für eine unbeabsichtigte Frühzündung dar. Daher war man gezwungen, vor Beginn der Ladearbeiten die Leitung stromlos zu schalten. Und auch bei dieser Sprengung dürfte es zu einem technischen Problem gekommen sein, welches man als "Nebenschluss" bezeichnet. Die herkömmliche Zündung von Elektrozündern erfolgt mittels einer Zündmaschine. Und diese weist eine relativ hohe Zündspannung auf. Wenn die Zünderdrähte und speziell die blanken Verbindungen unmittelbar am Gittermast anliegen, nimmt der Strom manchmal eine Abkürzung und geht den Weg des geringsten Widerstandes. Dadurch kommt es zum Versagen eines oder mehrerer Zünder. Und das scheint eine recht logische Erklärung für die darauffolgende Meldung (von den vier Ladungen sind nur 3 detoniert) zu sein. Die Probleme mit einem Nebenschluss hat man nur, wenn das Sprengobjekt selber Strom leitet und eine elektrische Zündung aufgebaut wird. Es existiert nicht, wenn man die Zündung mittels Sprengschnur durchführt.  

Eine endgültige Klärung des Falles kann nur eine Öffnung der italienischen Archive bringen. Aber auch nach 50 Jahren sind die Unterlagen zu diesem Fall ein Staatsgeheimnis.

Weitere Erkenntnisse:

Der Sachverständige Harald Hasler hat es unternommen, die zweite Minendetonation nachzustellen. Mit Dummies, die in ihren Eigenschaften jenen von menschlichen Körpern sehr nahe kommen. Sie waren sogar mit Uniformen aus der damaligen Zeit bekleidet. Zuvor hat er versucht, die Mine so zu legen, wie sie aus dem Geständnis Kufner angeblich gelegt wurde (mit einem Messer als Grabungswerkzeug). Die Sprengversuche haben nicht am Originalort stattgefunden sondern in einem, dem Original topographisch und geologisch sehr ähnlichem Gelände in Österreich.

Zusammengefasst ergab sich folgendes Bild: Das Legen der Mine und der Auslösevorrichtung beansprucht wesentlich mehr Zeit, als für die gesamte Aktion zur Verfügung stand. Die anschließende Detonation ergab, wenn man die Aussagen des Überlebenden Opfers Fagnani zugrunde legt, ein völlig unterschiedliches Bild. Jene Personen, die damals getötet wurden, hätten überlebt. Lediglich der Überlebende Fagnani wäre getötet worden. Keine der Bekleidungen wies auch nur im entferntesten jene Brandschäden auf, die auf den damals gemachten Bildern zu erkennen sind. Auch wurde keiner der Dummies weggeschleudert. Zwei der Körper wurden bei der Detonation im Jahr 1967 angeblich ca. 50 m weit geschleudert. Das kann es bei einer Ladung, die den gut dokumentierten Krater ausgeworfen hat, nicht gegeben haben.

Besonders aufschlussreich ist aber die Tatsache, dass Oberst Massak bei seiner Untersuchung die Reste von Batterien im Minenkrater gefunden hat. Man konnte damals sogar noch feststellen, dass es sich um die österreichische Marke "Kristall" gehandelt hat. Bei der eingesetzten Sprengstoffmenge kann es das aber nicht geben. Eine oder mehrere Batterien in unmittelbarer Nähe der Sprengladung werden zur Gänze vernichtet. Es gibt in diesem Fall keine identifizierbaren Reste, wie sie Massak gefunden hat. Das konnte Hasler zweifelsfrei nachweisen. Daraus ergibt sich aber, dass nachweislich eine unzulässige Manipulation stattgefunden hat. 

Mehr zum Thema:

Wer mehr zum Thema Porzescharte wissen möchte, dem werden folgende Materialien empfohlen:

Hasler, Harald: „Wissenschaftliche Neubeurteilung der Rechtssache „Porzescharte 25. Juni 1967“

Hubert Speckner: „Zwischen Porze und Rosskarspitz..."
Hubert Speckner: „Von der „Feuernacht" zur „Porzescharte"...

 Laut Bilddokumentation ist das jene Stelle, an der eine Phase der Stromleitung den Erdschluss um 2,12 Uhr verursacht hat. Der Mast ist laut Expertenmeinung sehr langsam umgesunken. Daher ist die Abwesenheit von Brandspuren äußerst eigenartig. Es handelt sich immerhin um eine Hochspannungsleitung mit 220 Kilovolt. 

 

die unten eingefügten Fotos zeigen den umgestürzten Mast. Wobei das erste Foto stark verdreht ist. die Steilheit des Hanges ist auf den anderen Fotos besser zu erkennen

 

 

 

 

 

Unten: Tabelle von Rudolf Hauke und Peter Röh, Vortrag in Siegen 2000. Das von Piva benützte Funkgerät hatte weniger als 1 W Leistung im Frequenzbereich um 30 MHz. Der Sicherheitsabstand beträgt 5 - 9 Meter.  


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